Archive für den Monat: Februar, 2014

Lieder aus dem Allerheiligsten

Diese CD-Produktion ist etwas ganz Besonderes – ungewöhnlich, umfassend (jedes Lied wird von einem beigelegten Bild- und Textblatt begleitet), voll zurückhaltender Klangfülle und Zartheit. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg und der darum entstandenen Gebetsbewegung samt ihrer MEHR-Konferenz, die – halb katholisch, halb evangelikal – einen Geist der Frische und Ambition ausstrahlt, bringt hier gesammelte Texte und Kompositionen aus den zurückliegenden 14 Jahren. Entstanden aus Stille-Zeiten und Tagebucheinträgen merkt man vielen der Lieder an, dass sie nicht eigentlich zum Veröffentlichen geschrieben wurden, sondern eher als intime Protokollnotizen einer vitalen Liebesbeziehung gewachsen sind. Zu hören sind Reflektionen inniger Momente, Texte und Lieder aus dem Allerheiligsten eines Beziehungsweges mit Gott. Deswegen sind es bis auf wenige Ausnahmen auch keine leichtgewichtigen Mitsing-Songs oder plätschernde Lobpreislieder, die man gern auch mal als Backgroundmusik nebenbei hören kann. Die „Augenlieder“ verlangen Zuwendung, man muss sich einlassen, Eintreten wollen in eine Begegnung mit Gott, Nähe wagen, Berührung.

Die ungewöhnliche Instrumentierung (Klavier, Cello, Gitarre, Vocals), die Mischung aus durchweg eingängigen Melodien, perlender Zartheit und Transparenz und immer wieder auch rauschender mitreißender Klangmacht geht unter die Haut. Hartl schreibt, singt, spielt, gestaltet – ein breit begabtes Multi-Talent, auch wenn seine Stimme nicht seine Top-Gabe ist, rührt sie an (wie etwa in einem meiner Favoriten „Bedingungslos“). Herausragend auch „Augen“ (wunderschön und zerbrechlich die kristallklare Stimme von Veronika Lohmer) oder „Komm herab“. Hier ist etwas entstanden, das schwer zu kategorisieren, dafür um so besser zu hören ist: Mystik-Praise (falls es den Begriff gibt …) irgendwo zwischen Iona, Clannad und Samuel Harfst (der eine ähnliche Cello-Liebe einbringt). Meine herzliche Empfehlung für ein Kunstwerk!

Ulrich Eggers

Johannes Hartl und Freunde

Augenlieder

Gebetshaus Augsburg / www.shop.Gebetshaus.org

66:28 Minuten

€ 17,95

Kein Lied auf der „Augenlieder“ steht meinem Herzen so nah wie „Du darfst“, „Ort der Hingabe“ und  – „Frühling“. Dieses Lied ist wirklich kein typisches Lobpreislied. Es ist das erste, das ich je geschrieben habe, von dem ich mir von Anfang an nicht sicher war, ob ich es überhaupt „veröffentlichen“ sollte. Ist das nicht zu – – – romantisch?! Es ist eigentlich gesungene Lyrik, die auf sehr bildhafte Weise etwas über Gott sagt. Es hat mich richtig Überwindung gekostet, dieses Lied mit anderen zu teilen, denn es ist so persönlich für mich.

Was mir dieses Lied bedeutet und wovon es erzählt, ahnt nur jemand, der etwas ähnliches erlebt hat. Ich möchte die persönlichen Umstände nicht ausführen, doch das Lied entstand kurz nach einer Phase in meinem Leben, die sich kalt, grau, vertrocknet, vereist und verlassen anfühlte. Wer schon einmal durch eine solche „Jahreszeit der Seele“ gegangen ist, weiß, wovon ich spreche. Und vielleicht hast Du auch schon erlebt, wie es ist, wenn der Wind sich dann dreht…
Ich habe erfahren, dass Gott der einzige ist, der eine aussichtslose Situation von innen heraus verändern kann. Und auf einmal neues Leben kommt.
Es war mitten im Winter. Doch wir im Gebetshaus und ich in meinem Leben erlebten so viel Freude und Erfrischung durch den Heiligen Geist, dass ich nicht selten durch die Straßen singend und tanzend nach Hause schlenderte. Und an eben einem solchen Tag im Dezember 2009 entstand auf meiner Gitarre diese Melodie und zugleich der Text.

Alles in diesem Lied drückt in poetischer Sprache aus, was sich an einer kleinen Stelle aus dem Hohenlied entspinnt:

Hld 2, 10 Der Geliebte spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!  11 Denn vorbei ist der Winter, verrauscht der Regen.  12 Auf der Flur erscheinen die Blumen; die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube ist zu hören in unserem Land.  13 Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!

Eine frische Berührung durch Gott ist für mich persönlich das: die plötzlich mildere Luft, das Aufbrechen der Knospen, die ersten warmen Sonnenstrahlen, das frische Leben.
Meine Lieblingsstrophe ist die letzte. Sie entstand erst einige Monate später und ich sang sie zum ersten Mal auf der Hochzeit von Veronika und Sebastian im August 2010. Als Germanist freue ich mich über den Stabreim (der in der mittelhochdeutschen Lyrik und später bei Richard Wagner oft vorkommt).

Winterwind weicht durch dein Lied
und er dreht von Nord nach Süd
wenn Du kommst wird alles schön
und mein Garten blüht.

Ich bin auch ziemlich glücklich mit Aufnahme und Arrangement. Hier hat David Hüger wunderschöne kreative Verzierungen zu den musikalischen Grundzügen von Benjamin Kelber hinzugefügt. Und ein weiterer Song, wo ich meine geliebte Lakewood Jumbo spielen durfte. 

Besonders froh bin ich über das Mixing dieses Songs. Ich finde, hier klingt alles frisch, lebendig und jung. Wenn man gezielt an den Stellen hört, wo alle Instrumente zum Einsatz kommen, merkt man, wie aufgefächert und leicht auch das noch klingt. Etwas Spielerisches und Frisches ist selbst darin, wie Gerhard Wölfle von Dorian Gray Studios diesen – wie ich finde – Ohrwurm kristallklar gemixt hat.
Doch mehr als dass Euch das Lied gefällt, hoffe ich, dass Ihr selbst Gott als jemanden erlebt, der genau das in Dir tun kann, wovon diese Zeilen berichten. Denn es ist wahr. „Seht ich mach alles neu“ (Offb 21,5).