Das ist eines dieser Lieder, die einfach ein Geschenk sind, die man nicht schreibt, sondern entdeckt.

Zunächst: der Text ist so poetisch, zugleich aber so kühn, dass ich heute noch manchmal zusammenzucke, wenn ich ihn höre. Denn das, was hier gesagt wird, ist eigentlich ganz schön massiv: Augen nur für Gott haben, welch Anspruch! Dieses Lied ist für mich auch eines der Lieder, die mich an Punkte erinnern, die ich mit Jesus schon erlebt habe, hinter die ich aber immer wieder zurückfalle.

Eine Grundintuition verfolgt mich schon seit vielen Jahren: das Leben unter den Blicken der Anderen. Wir wollen gefallen. Wir suchen nach Beachtung. Wir suchen das Feedback in den Augen der Menschen. Wir vergleichen uns. Wir stehen unter den Augen der Anderen.

Doch auch unsere Augen richten sich auf alles mögliche. Ich war schon immer ein sehr visueller Mensch, der leicht fasziniert werden kann. Ich liebe die Farben. Stundenlang konnte ich schon als Teenager durch die Wälder spazieren und schauen. Und staunen. Mich vollsaugen. Unvergesslich ist mir der erste bewusste Anblick des Meeres, die graue Kimm, die endlose Weite.

Dies ist ein Lied über Schönheit. Über das, wovon alle Schönheit erzählt: der Quelle aller Schönheit. In den intensivsten Momenten mit Gott durfte ich immer wieder kosten, dass er nicht nur wahr, gut und groß ist, sondern schön. Oder besser noch: er ist die Schönheit. Er ist keine Farbe, sondern er ist das Licht, in dem erst Farben sichtbar werden.

Die Melodie und der Text entstanden gleichzeitig im Gebetsraum, live in einer Gebetszeit, die ich als Lobpreisleiter im Frühling 2012 leitete. Ich setzte mich ans Klavier – und da war es. Am Text wurde noch ein wenig gefeilt, doch grundsätzlich war es das.

Ich LIEBE den Klang von Veronikas Stimme bei diesem Stück. Sie war stundenlang alleine im Studio und es war ein ganz besonderer Moment für sie, der es ermöglichte, dass sie so singen konnte. So zerbrechlich, so nah, so echt.

Eine Herausforderung für mich als Pianist bestand darin, das Lied nicht in der Originaltonart (ich hab es in E oder Es gespielt) zu spielen, sondern in einer, die Veronikas Stimme optimal entgegenkommt. Und nach einigen Versuchen entschieden wir uns für Des-Dur. Nachdem dieses Stück ganz akustisch auf einem Steinway aufgenommen wurde, konnte man da nichts pitchen. Ich musste richtig üben, denn Des-Dur ist eine der etwas schwierigeren Tonarten auf dem Klavier.

Die Produktion und das Arrangement dieses Stücks ist komplett von Benjamin Kelber. Und erst als alles fertig war, erkannten wir eine echte Perle in dem Track. Und als wir uns schließlich entschieden, es auf Platz 2 der Tracklist zu setzen, war es nicht mehr lang, bis wir das Album auch von ursprünglich „Du bist der Frühling“ auf „Augenlieder“ umbenannten. Doch davon erzähle ich ein andermal.

Advertisements