Hinter jedem der „Augenlieder“ steckt eine eigene Geschichte. Die von „Bedingungslos“ ist eine für mich besonders emotionale. Das Lied entstand in einem Moment, in dem ich mich wirklich exakt so fühlte, wie es in diesem Text heißt.

Zusammen mit anderen hatte ich über Monate hinweg versucht, ein richtig wichtiges und großes Projekt umzusetzen. Alle Kräfte dafür verwendet, in der Meinung, den Willen des Herrn zu tun. Doch wieder und wieder klappte es im letzten Moment nicht. Irgendwann saßen einige Freunde und ich zusammen in meinem Wohnzimmer und kamen auf den Punkt: wir haben vergessen, wirklich nach dem Willen Gottes zu fragen. Eine intensive Bewegung von Buße und von Umkehr war die Folge.

Am Tag darauf flog ich nach Riga, um vor den Mitarbeitern eines riesigen Jugendevents (Latvian Youth Festival mit 15.000 Besuchern) zu lehren. Abends saß ich in meinem kleinen Hotelzimmer und war einfach überwältigt von diesem Gefühl, arm und gebrochen vor Gott zu sein. Das aber nicht auf eine negative Weise, sondern einfach: konfrontiert mit meiner Schwäche und voller Ehrfurcht vor seiner Größe. Ich legte alle Pläne und Träume neu vor Gott hin: „der Ball ist jetzt in deinem Spielfeld!“ Kapituliert, bedingungslos…

Als ich nach hause kam, ging alles sehr schnell. Ein völlig überraschender Telefonanruf und noch ein Wunder: Gott hatte die gesamte Situation völlig verändert und auf unerklärliche Weise gezeigt, dass er souverän ist.

Unter Tränen der Dankbarkeit konnte ich einfach wieder und wieder nur sagen: „das ist so unverdient… so viel Gnade… so viel Hoffnung!“ Und innerhalb eines Tages entstand dieses Lied.

Als ich es Raphael Schadt vorspielte, meinte er, diese krasse Mischung von Emotionen sei doch ein etwas sehr intensives Wechselbad der Gefühle… Und tatsächlich bleibt das eine Herausforderung des Songs: der Refrain bringt die ganze Spannung zwischen dem „lachend“ und „weinend“, dem „gebrochen“ und „erhöht“, dem „unendlich arm“ und „unendlich reich“ zum Ausdruck und soll darin dennoch nicht zerrissen oder gehetzt klingen…

Erst später fügten wir den Teil „wenn Du mich küsst“ an. Er ist ein noch relativ neuer Chorus, der in einer der vielen Sessions im Gebetsraum entstand, in denen ich mit Veronika zusammen sang.

Ich liebe den Kontrast zwischen dem massiven Chor und den Streichern und der total zerbrechlichen, nur noch gehauchten Passage „wenn Du mich küsst“…

Das ist das erste Lied, das Benjamin arrangiert hat und das erste, das wir eingespielt haben. David Hüger’s Idee war die explosive Steigerung mit dem Chor und insgesamt entstand ein Song, der schon als erster Track die gesamte Bandbreite der Stimmungen des Albums einfängt.

Ich bin dankbar, dass Ihr dieses ganz persönliche Lied, dessen Text mich bis heute sehr bewegt, nun auch hören und mitbeten könnt.

 

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