Archive für den Monat: Dezember, 2013

Das ist eines dieser Lieder, die einfach ein Geschenk sind, die man nicht schreibt, sondern entdeckt.

Zunächst: der Text ist so poetisch, zugleich aber so kühn, dass ich heute noch manchmal zusammenzucke, wenn ich ihn höre. Denn das, was hier gesagt wird, ist eigentlich ganz schön massiv: Augen nur für Gott haben, welch Anspruch! Dieses Lied ist für mich auch eines der Lieder, die mich an Punkte erinnern, die ich mit Jesus schon erlebt habe, hinter die ich aber immer wieder zurückfalle.

Eine Grundintuition verfolgt mich schon seit vielen Jahren: das Leben unter den Blicken der Anderen. Wir wollen gefallen. Wir suchen nach Beachtung. Wir suchen das Feedback in den Augen der Menschen. Wir vergleichen uns. Wir stehen unter den Augen der Anderen.

Doch auch unsere Augen richten sich auf alles mögliche. Ich war schon immer ein sehr visueller Mensch, der leicht fasziniert werden kann. Ich liebe die Farben. Stundenlang konnte ich schon als Teenager durch die Wälder spazieren und schauen. Und staunen. Mich vollsaugen. Unvergesslich ist mir der erste bewusste Anblick des Meeres, die graue Kimm, die endlose Weite.

Dies ist ein Lied über Schönheit. Über das, wovon alle Schönheit erzählt: der Quelle aller Schönheit. In den intensivsten Momenten mit Gott durfte ich immer wieder kosten, dass er nicht nur wahr, gut und groß ist, sondern schön. Oder besser noch: er ist die Schönheit. Er ist keine Farbe, sondern er ist das Licht, in dem erst Farben sichtbar werden.

Die Melodie und der Text entstanden gleichzeitig im Gebetsraum, live in einer Gebetszeit, die ich als Lobpreisleiter im Frühling 2012 leitete. Ich setzte mich ans Klavier – und da war es. Am Text wurde noch ein wenig gefeilt, doch grundsätzlich war es das.

Ich LIEBE den Klang von Veronikas Stimme bei diesem Stück. Sie war stundenlang alleine im Studio und es war ein ganz besonderer Moment für sie, der es ermöglichte, dass sie so singen konnte. So zerbrechlich, so nah, so echt.

Eine Herausforderung für mich als Pianist bestand darin, das Lied nicht in der Originaltonart (ich hab es in E oder Es gespielt) zu spielen, sondern in einer, die Veronikas Stimme optimal entgegenkommt. Und nach einigen Versuchen entschieden wir uns für Des-Dur. Nachdem dieses Stück ganz akustisch auf einem Steinway aufgenommen wurde, konnte man da nichts pitchen. Ich musste richtig üben, denn Des-Dur ist eine der etwas schwierigeren Tonarten auf dem Klavier.

Die Produktion und das Arrangement dieses Stücks ist komplett von Benjamin Kelber. Und erst als alles fertig war, erkannten wir eine echte Perle in dem Track. Und als wir uns schließlich entschieden, es auf Platz 2 der Tracklist zu setzen, war es nicht mehr lang, bis wir das Album auch von ursprünglich „Du bist der Frühling“ auf „Augenlieder“ umbenannten. Doch davon erzähle ich ein andermal.

Soviel Hoffnung, die ich habe
Tanta esperanza, que yo tengo

soviel unverdiente Gnade,
tanta gracia inmerecida

eingeladen und Du selbst deckst mir den Tisch.
invitado y tu mismo me sirves la mesa.

Soviel Frieden, soviel Klarheit,
Tanta paz, tanta claridad,

a soviel ungezähmte Wahrheit,
una verdad tan indómita,

so versöhnt und so gekrönt bin ich durch Dich.
tan reconciliado y coronado por ti.

Mit staunenden Augen
Con ojos de asombro

und leeren Händen
y manos vacías

einmal mehr vor Dir.
una vez ante ti.

Mit offenem Herzen
Con corazón abierto

zu Deinen Füßen einmal mehr…
a tus pies nuevamente…

Bedingungslos kapituliert
Capitulado* sin condiciones

lachend und weinend im Staub vor Dir.
en el polvo riendo y llorando frente a ti.

Gebrochen und erhöht zugleich
Quebrantado y elevado a la vez

unendlich arm und unendlich reich.
infinitamente pobre y rico a la vez.

und ich gieße meine Worte der Liebe wie Öl über Dich
y riego mis amorosas palabras como aceite sobre ti

und ich halte nichts zurück, lalalala…
y me quedo sin nada, ….

Wenn Du mich küsst, erwacht ein Lied, 
y cuando me besas, se despierta una canción,

die Wüste blüht, jene Träne versiegt…
el desierto florece y toda lágrima se seca.

Johannes Hartl

* Capitular en el sentido de: Abandonar una pugna o discusión por cansancio o por la fuerza de los argumentos contrarios. (rae)

Fede, en alemán suena extremadamente poético y mi traducción al español, burda. En caso de que alguna canción te guste, ¿crees que podrías hacer una implementación decente de la canción si yo te doy los textos traducidos?

DANKE AN: HUGO VILLEGAS ROJI

 

Am ersten Abend der MEHR 2014 werden wir live einige Lieder des Albums spielen. Das Setting dieser ruhigen Gebetszeit wird ziemlich außergewöhnlich. Auf einer eindrucksvoll beleuchteten großen Bühne vor 3000 Menschen und mit einer extra dafür gedrehten Videoinstallation von Deborah Karrer im Hintergrund!

Wir freuen uns sehr darauf! BibelTV und der live Webstream auf Gebetshaus.org/livestream werden auch dabei sein, doch vor Ort dabei sein, ist natürlich unschlagbar.

Infos über die MEHR: http://www.gebetshaus.org

Zeit unserer Stunde auf der Bühne: 3.1.14, 22-23:00

Über 500 mal verkauft in den ersten zwei Wochen – das sprengt wirklich unsere Erwartungen! Jede Menge positives Echo, extrem wohlwollende Rezensionen auf iTunes und shop.gebetshaus.org …

Schon jetzt ist „Augenlieder“ auf Platz 5 der Bestsellerliste unter allen Produkten des Gebetshauses – und das nach nur 2 Wochen. Wir sind überwältigt und freuen uns sehr. DANKE AN ALLE!!

Hinter jedem der „Augenlieder“ steckt eine eigene Geschichte. Die von „Bedingungslos“ ist eine für mich besonders emotionale. Das Lied entstand in einem Moment, in dem ich mich wirklich exakt so fühlte, wie es in diesem Text heißt.

Zusammen mit anderen hatte ich über Monate hinweg versucht, ein richtig wichtiges und großes Projekt umzusetzen. Alle Kräfte dafür verwendet, in der Meinung, den Willen des Herrn zu tun. Doch wieder und wieder klappte es im letzten Moment nicht. Irgendwann saßen einige Freunde und ich zusammen in meinem Wohnzimmer und kamen auf den Punkt: wir haben vergessen, wirklich nach dem Willen Gottes zu fragen. Eine intensive Bewegung von Buße und von Umkehr war die Folge.

Am Tag darauf flog ich nach Riga, um vor den Mitarbeitern eines riesigen Jugendevents (Latvian Youth Festival mit 15.000 Besuchern) zu lehren. Abends saß ich in meinem kleinen Hotelzimmer und war einfach überwältigt von diesem Gefühl, arm und gebrochen vor Gott zu sein. Das aber nicht auf eine negative Weise, sondern einfach: konfrontiert mit meiner Schwäche und voller Ehrfurcht vor seiner Größe. Ich legte alle Pläne und Träume neu vor Gott hin: „der Ball ist jetzt in deinem Spielfeld!“ Kapituliert, bedingungslos…

Als ich nach hause kam, ging alles sehr schnell. Ein völlig überraschender Telefonanruf und noch ein Wunder: Gott hatte die gesamte Situation völlig verändert und auf unerklärliche Weise gezeigt, dass er souverän ist.

Unter Tränen der Dankbarkeit konnte ich einfach wieder und wieder nur sagen: „das ist so unverdient… so viel Gnade… so viel Hoffnung!“ Und innerhalb eines Tages entstand dieses Lied.

Als ich es Raphael Schadt vorspielte, meinte er, diese krasse Mischung von Emotionen sei doch ein etwas sehr intensives Wechselbad der Gefühle… Und tatsächlich bleibt das eine Herausforderung des Songs: der Refrain bringt die ganze Spannung zwischen dem „lachend“ und „weinend“, dem „gebrochen“ und „erhöht“, dem „unendlich arm“ und „unendlich reich“ zum Ausdruck und soll darin dennoch nicht zerrissen oder gehetzt klingen…

Erst später fügten wir den Teil „wenn Du mich küsst“ an. Er ist ein noch relativ neuer Chorus, der in einer der vielen Sessions im Gebetsraum entstand, in denen ich mit Veronika zusammen sang.

Ich liebe den Kontrast zwischen dem massiven Chor und den Streichern und der total zerbrechlichen, nur noch gehauchten Passage „wenn Du mich küsst“…

Das ist das erste Lied, das Benjamin arrangiert hat und das erste, das wir eingespielt haben. David Hüger’s Idee war die explosive Steigerung mit dem Chor und insgesamt entstand ein Song, der schon als erster Track die gesamte Bandbreite der Stimmungen des Albums einfängt.

Ich bin dankbar, dass Ihr dieses ganz persönliche Lied, dessen Text mich bis heute sehr bewegt, nun auch hören und mitbeten könnt.